Mathematik individualisiert unterrichten (Klassen 1-6)

Nicht zuletzt mit der Einführung des Lehrplan 21 stehen alle Lehrpersonen vor der Herausforderung, dass alle Kinder individualisiert und entwicklungsorientiert unterrichtet werden sollen. Doch wie kann dies gelingen? Viele Kinder sind von den Anforderungen des Lehrmittels ihrer Klassenstufe unter- oder überfordert.

Die einen haben Lücken aus früheren Jahren und kommen nicht mehr mit. Sie gelten gern als dümmer oder unbegabter als die anderen und neigen dazu, sich selbst auch so einzuschätzen. Frustriert über ihre Misserfolge und enttäuscht von der Mathematik äussern sich diese Kinder: „Ich bin schwach in Mathe.“ „Ich verstehe nicht, worum es geht.“ „Mathe ist blöd.“

Andere langweilen sich, da sie mit den gestellten Aufgaben in kürzester Zeit fertig sind und die Anforderungen nicht ihrem Potential entsprechen. Für sie fühlt es sich oftmals an, als müssten sie im Unterricht einfach die Zeit absitzen und der Aufgaben werden sie überdrüssig: „Muss ich das machen? Das kann ich doch schon.“ „Mathe ist langweilig.“

Für Lehrpersonen sind die Herausforderungen der Integration mit der zunehmenden Heterogenität enorm. Das tägliche Erleben, schwächeren oder auch starken Lernenden nicht gerecht zu werden, macht vielen engagierten Lehrpersonen ein schlechtes Gewissen und kann sie mitunter bis zum Burnout belasten.

Werner Fessler und Peter Geering arbeiten seit Jahrzehnten daran, den Mathematikunterricht so zu gestalten, dass jedes Kind in seinem Tempo arbeiten kann - und die Freude am Rechnen zurückgewinnt. Wie das gelingen kann, schildern sie kurz im folgenden Video - und ausführlich an einem Weiterbildungstag:

Zwei Grundfragen stehen im Zentrum dieses Weiterbildungstages:

  1. Wo steht jede/r einzelne Schüler/in meiner Klasse? Wie stelle ich das fest?
  2. Wie und womit organisiere ich meinen Unterricht so, dass möglichst alle erfolgreich arbeiten können?

Um die erste Frage zu beantworten, benötigen Sie geeignete Standortbestimmungen. Für die zweite braucht es ein Angebot, das auf die unterschiedlichen Lernstände Ihrer Schüler/innen eingehen kann.

Kursinhalt

Im Laufe des Kurstages lernen Sie ein Unterrichtsmodell kennen, das diesen Ansprüchen gerecht wird.

Die Grundidee basiert darauf, dass der gesamte Stufenstoff jährlich wiederkehrend (zyklisch) angeboten wird.

Das gewährleistet, dass jedes Kind zu jedem Zeitpunkt seiner Schullaufbahn dort arbeiten kann, wo es steht.

Zu diesem Zweck wird der Stoff eines Faches in grösseren Themenbereichen zusammengefasst. Jedes dieser Themen besteht aus einem grundlegenden Teil I (Niveau G) und einem erweiterten Teil II (Niveau E), der auch zusätzliche, nach oben offene Angebote enthält (Niveau Z).

Mit seinen breit differenzierenden Standortbestimmungen und Lernangeboten genügt der grundlegende Teil I auch heilpädagogischen Ansprüchen. Rasch Lernende können mithilfe des Materials innerhalb des Unterrichts selbstorganisiert arbeiten.

Alle Lernenden steigen jeweils in den ersten Teil (G) eines Themas ein. Fortgeschrittene zeigen ihr Können anhand der Standortbestimmungen. Lücken werden aufgearbeitet. Wer die Grundlagen beherrscht, bearbeitet Teil II (E) bis hin zu eigenen Projekten.

Auf diese Weise kann die Lehrperson sicherstellen, dass

  • alle Kinder die Grundfertigkeiten der Mathematik mit der Zeit sicher beherrschen,
  • jedes Kind in seinem eigenen Tempo arbeiten kann,
  • kein Kind den Anschluss verliert und zurückbleibt,
  • jedes Kind an einem Ort arbeitet, an dem es Erfolg erleben kann,
  • starke Lernende anregende Angebote erhalten und sich damit nicht vom Unterricht ausklinken.

Auf der Website www.atlasmathe.ch steht das vollständige Material für diesen Unterricht zur Verfügung:

  • Musterplanungen mit Lernpässen und Klassenübersichten
  • Hilfs- und Zusatzmaterialien
  • eine Klassen- und Auftragsverwaltung

Die Themen des Atlasmathe decken alle Kompetenzen gängiger Lehrpläne ab.

Der Kurs besteht aus zwei Teilen:

Teil 1: Einführung (Vormittag)

Umgang mit Heterogenität: Den Standort bestimmen

  • Übersicht über die verschiedenen Gründe für die Heterogenität und deren Auswirkungen im Unterricht.
  • Wir beleuchten Aspekte des Regelunterrichts, die mit einem heterogenen Umfeld in Konflikt geraten: z.B. mangelnde Differenzierung von Jahrgangslehrmitteln, Probleme der üblichen Notengebung, organisatorische Einengungen
  • Standortbestimmung im Atlasmathe

Elemente eines entwicklungsorientierten Mathematikunterrichts mit Beispielen

  • themenorientierter Aufbau von Jahreszyklen
  • Unterschiede zwischen den Niveaus I (G) und II (E/Z) anhand von Beispielen

Das Verständnis für eine grundlegende Basis wird mit handlungsorientierten Angeboten aufgebaut und mit vielfältigen Hilfestellungen (Material, Tabellen, Lösungsansätze) unterstützt. Heilpädagogische Überlegungen sind integriert

Fördernd Bewerten und positiv Beurteilen mit einem motivierenden System

Bewertung und Beurteilung in den Niveaus unterscheiden sich. Im grundlegenden Teil I wird sowohl die Bearbeitung der Aufträge als auch das Ergebnis der Standortbestimmung in die Beurteilung einbezogen. Zudem können Standortbestimmungen mehrmals wiederholt werden. Dieses Konzept birgt breite Möglichkeiten für Anerkennung und vermeidet Prüfungsangst. Auf Niveau II fliessen nur die Standortbestimmungen in die Bewertung ein.

Einstieg in den Atlasmathe

  • Zugang und die verschiedenen Teile des Atlasmathe
  • Navigieren, Suchen, Drucken
  • Die Themen des Atlasmathe im Jahresablauf

Wir vertiefen uns exemplarisch in den Aufbau eines Themas mit seinen individuellen und klassenweisen Übersichtsmöglichkeiten.

Ein Jahresplan zeigt Themen des Atlasmathe und den Zusammenhang mit dem Kompetenzaufbau des Lehrplanes

Teil 2: Vertiefung (Nachmittag)

Das Kompetenzmodell des Atlasmathe

  • Kompetenzen konkret darstellen und visualisieren: Die Bausteine „Aufgaben“ und „Lernmodule“ erkunden
  • Den Zusammenhang von Lernsets und Themen mit ihren Bausteinen verstehen

Arbeit mit einem Thema

  • gemeinsame Einführungen
  • begleitete und eigenständig Arbeiten
  • den Lernstand dokumentieren mit Lernbegleitbogen (LBB) und Klassenübersicht

Arbeit mit der Klassenverwaltung

  • die elektronische Klassenverwaltung kennenlernen
  • eine Klasse auf verschiedenen Wegen erstellen
  • markieren von Aufgaben für alle oder einzelne Schüler/innen
  • elektronische Übersicht über ein Thema

Im Rahmen dieses Kurstages erfahren Sie, wie Sie den Mathematikunterricht in der Unter- und Mittelstufe individualisieren und entwicklungsorientiert gestalten können. Sie erhalten den Zugang zu einem vollständigen Arbeitsmaterialiensatz, mithilfe dessen Sie ohne grossen Aufwand jedem Kind ein inidviduell angepasstes Lernangebot zur Verfügung stellen können. Der Weiterbildungstag eignet sich auch für Lehrpersonen mit altersdurchmischtem Lernen / Zweijahresklassen.

Ihre Kursleitung

Peter Geering:

Für mich als Lehrer für Mathematik und Fachdidaktik Mathematik in der Lehrerausbildung waren die Schwierigkeiten von Lernenden mit meinem Fach stete Herausforderungen. Mit kreativen Lösungen ist es mir immer besser gelungen, eine angstfreie, positive Lernatmosphäre für alle zu schaffen. Der Atlasmathe ist in Zusammenarbeit mit den gleich gesinnten Marianne Kunath (Unterstufe) und Werner Fessler (Mittelstufe) in der Absicht entstanden, den Berufseinsteigenden und allen interessierten Kolleginnen und Kollegen auf der Primarstufe unsere Erkenntnisse mit den zugehörigen Materialien weiterzugeben.

Werner Fessler:

Ich kehrte mit 55 als IF-Lehrer zurück in die Schule. In einer Zürcher Quartierschule stiess ich auf innovative Kolleginnen und Kollegen, mit denen zusammen wir einen entwicklungsorientierten Umgang mit der Heterogenität entwickelten. Ich kenne die Probleme sowohl der Kinder als auch der Lehrpersonen aus eigener Erfahrung.

Während der Berufszeit übernahm ich die Bearbeitung der Mathematik. Nach 3 Jahren Unterrichtsentwicklung stiessen wir auf Peter Geering als Berater und seither arbeiten wir beide bis heute im Pensionsalter zusammen an diesem Projekt.

Kursdetails

Umfang: 1 Tag

Angesprochene Fachpersonen: Primarlehrer/innen, (Schulische) HeilpädagogInnen / IF-Lehrpersonen, Lerncoaches, Lerntherapeut/innen

Nächste Durchführung:

Sonntag, 16. Juni 2019

Kursort: Akademie für Lerncoaching, Albulastrasse 57, 8048 Zürich-Altstetten

Kurszeiten: 10.00-17.00 Uhr (Mittagspause von 13.00-14.30 Uhr)

Kosten: Fr. 275.- (Fr. 195.- für Teilnehmer der gesamten Weiterbildung zum Lerncoach und Ehemalige)*

Anmeldung

Anmeldungen für einzelne Vertiefungstage nimmt unsere Sekretärin Lilo Marti entgegen. Schreiben Sie dazu eine Email an:

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Bitte geben Sie bei der Anmeldung Datum und Titel des Kurstages und Ihre Rechnungsadresse an. Es erleichtert unserer Sekretärin zudem die Arbeit, wenn Sie angeben, ob Sie Teilnehmer/in der gesamten Weiterbildung sind oder einen einzelnen Kurstag besuchen.

Anmeldeschluss: 9. Juni 2019

Falls Sie sich über die gesamte Weiterbildung informieren möchten, gibt Ihnen gerne Fabian Grolimund Auskunft:

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Wir freuen uns auf spannende Kurstage mit Ihnen!

*Bis 31 Tage vor Kursbeginn ist eine kostenlose Stornierung möglich. Bei kurzfristigen Absagen innert 30 Tagen vor Kursbeginn gilt der Gesamtbetrag als geschuldet. Ausnahme: die absagende Person stellt eine/n Ersatzteilnehmer/in.