Meine Arbeit als Lerncoach: Interview mit Bettina Dénervaud

Im Interview gibt Bettina Dénervaud von "Schnell lernen" einen Einblick in ihren Alltag als Lerncoach.

Stefanie Rietzler: Bettina, du hast dich bereits vor einigen Jahren mit einer Sprachschule selbstständig gemacht. Wie bist du auf den Bereich Lerncoaching gekommen?

Bettina Dénervaud: In meiner langjährigen Unterrichtstätigkeit bin ich immer mal wieder über Lernschwierigkeiten meiner SchülerInnen gestolpert, deren Ursprung ich mir manchmal nicht wirklich erklären konnte. Es war schwierig, zu erkennen, an welchem Punkt man eigentlich ansetzen sollte. Das hat mich bewogen, mich zum Lerncoach weiterbilden zu lassen.

Zu Beginn der Weiterbildung in Lerncoaching dachte ich noch, dass ich das Gelernte vorwiegend beim Sprachunterricht anwenden würde – was ich auch nach wie vor tue – stellte dann aber nach einiger Zeit fest, dass sich mir da fast wie von selbst ein enorm umfangreiches, neues Tätigkeitsfeld eröffnet. Dieses ist immer noch im Aufbau und in Entwicklung, aber ich kann bereits heute sagen, dass ich mittlerweile zwei Standbeine habe: einerseits die bestehende Sprachschule, andererseits meine stetig wachsende Praxis für Lerncoaching.

Das Besondere an der Weiterbildung ist, dass die vermittelten Inhalte sehr praxisorientiert und direkt umsetzbar sind. Beim Sprachunterricht sehe ich nun viel eher und klarer, wo die Schwierigkeiten liegen und wo es anzusetzen gilt. Das neue Standbein „Lerncoaching“, das sich daraus ergeben hat mit seinen Betätigungsfeldern wie Vorträgen an Schulen, Seminaren, Workshops, Gruppen- und Einzelcoachings und Weiterbildungen für Lehrpersonen hat meine Erwartungen bereits jetzt übertroffen und ich freue mich auf alles, was noch kommen mag.

Stefanie Rietzler: Mit welchen Schwierigkeiten kommen die Klienten zu dir?

Bettina Dénervaud: Das zu beantworten ist nicht leicht - die Schwierigkeiten respektive Themen, die es zu bearbeiten gilt, sind etwa so unterschiedlich wie die Klienten selbst. Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass bei Jugendlichen oft das Herausschieben vom Stoff, den sie zu lernen haben, eine grosse Problemzone ist, einhergehend mit der praktischen Anwendung von Lernstrategien, was bekanntlich ein gewisses Mass an Disziplin und Selbststrukturierung erfordert, wenn es zum Erfolg führen soll. Auch Prüfungsangst ist ein Bereich, an dem ich mit Jugendlichen und Kindern regelmässig arbeite. Bei jüngeren Kindern schildern mir natürlich vorab deren Eltern, wo aus ihrer Sicht die Schwierigkeiten liegen. Die Bereiche sind vielfältig – das kann mangelnde Motivation und Konzentration sein, das unselbständige Lernen und Hausaufgabenerledigen, was ständig zu Konflikten führt, die falschen Lernstrategien und so weiter. Wenn ich dann das Kind frage, wie es denn aus seiner Sicht aussieht, kriege ich oft ganz andere Antworten zu hören als die Einschätzung der Eltern.

Stefanie Rietzler: Wie sieht der Alltag in deiner Lernpraxis aus?

Bettina Dénervaud: Die Aufgaben sind erstaunlich kreativ und vielfältig. Ich bin kein grosser Fan von Routine (obwohl diese zu einem gewissen Grad natürlich auch dazugehört). Deshalb gibt es bei mir keinen "typischen Tagesablauf". Ich biete einerseits Einzelcoachings an, um gezielt und vertieft an den jeweiligen Schwierigkeiten der Klienten zu arbeiten, andererseits auch Gruppencoachings zu Themen wie "Lernstrategien", "Motivation" oder "Prüfungsängste" wie am Gymnasium Kirchenfeld Bern. 

Den anderen Teil, der sich im Laufe der Zeit ergeben hat und den ich auf keinen Fall missen möchte, sind die Vorträge (organisiert von Schulen und Elternräten), Seminare und Workshops für Eltern und Jugendliche. Ein relativ neuer und herausfordernder Bereich, der nach wie vor im Aufbau ist, sind die Tagesfortbildungen für Lehrpersonen, welche mir auch ausserordentlich Freude machen. Da musste ich mir anfangs zwar schon zweimal überlegen, ob ich mich auch wirklich bereit dazu fühlte. Aber gerade das Annehmen mancher Herausforderung, wozu ich mich anfänglich etwas überwinden musste, hat mich am meisten weitergebracht. Ich habe mir die Aussage von Fabian (Grolimund), dass wir genau dann mit der praktischen Arbeit beginnen sollten, wenn wir uns vielleicht noch etwas unsicher fühlen, zu Herzen genommen und habe es nie bereut – im Gegenteil, ich freue mich über all die Herausforderungen, an denen ich lernen und wachsen darf.

Stefanie Rietzler: Oftmals fällt es Klienten schwer, sich eine Lerncoaching-Sitzung vorzustellen. Kannst du ein Beispiel aus deiner Praxis geben?

Bettina Dénervaud: Keine Stunde verläuft wie die andere, aber ich erzähle gerne von der Arbeit  mit einem Mädchen, das ich begleite. Die Schülerin ist in der vierten Klasse und wurde von ihrer Mutter zum Lerncoaching angemeldet. Die Mutter erläuterte anfänglich, was alles nicht gut läuft und was aus ihrer Sicht verändert werden sollte - in möglichst kurzer Frist. Die Tochter sagte nicht viel, aber es war ihr deutlich anzumerken, dass sie unter der Erwartungshaltung ihres Umfelds litt. Mit viel Fingerspitzengefühl galt es dann, vorerst Druck aus der aktuellen Situation herauszunehmen und zwar für die Mutter und für die Tochter. Ich stelle öfters fest, dass manche Eltern regelrecht erleichtert reagieren, wenn sie ihre Erwartungen vorerst mal herunterschrauben dürfen/müssen. In diesem Fall war es jedenfalls so. Mit den Methoden, die ich in meiner Weiterbildung kennengelernt habe, konnten wir schliesslich Ziele definieren, die realistisch waren und dem Kind entsprachen. So kam während der nächsten Sitzungen auch schrittweise die Motivation des Mädchens zurück. Ihr Fokus öffnete sich und sie merkte anhand von ihren neugewonnenen Erfolgserlebnissen und dem Lob ihrer Lehrperson, dass sie sehr wohl etwas bewirken kann, wenn sie beispielsweise die richtige Lernstrategie anwendet. Während der Coachingstunde üben wir solche Dinge ganz konkret und erstellen auch gemeinsam einen Übungsplan für zu Hause. Bei jüngeren Kindern, die in der Regel von einem Elternteil abgeholt werden, erläutere ich Ende der Stunde kurz, woran gearbeitet wurde und wie es nun zu Hause weitergehen sollte. Eltern von älteren Kindern und Jugendlichen informiere ich regelmässig per Mail oder Telefon.

Stefanie Rietzler: Was gefällt dir an deiner Arbeit?

Bettina Dénervaud: Allem voran die Vielseitigkeit, dass kein Fall wie der andere ist. Dann natürlich die Beziehung zu den Klienten und deren „Aha-Erlebnisse“, worüber ich mich jeweils ebenso freue wie die Klienten selbst.

Stefanie Rietzler: Welches Erlebnis in deiner Arbeit hat dich besonders berührt?

Bettina Dénervaud: Da ist dieser Fünftklässler, der sich äusserst schwer mit Mathematik tut. Ich hatte vor, eine Lückenanalyse zu machen, um herauszufinden, wo wir ansetzen müssen. Diese war jedoch unmöglich durchzuführen, denn kaum kam eine Aufgabe, die er nicht lösen konnte, verschränkte er seine Arme auf dem Tisch und versteckte seinen Kopf darin. Und aus dieser Position war er nicht mehr wegzukriegen. Einmal verharrte er so, bis ihn seine Mutter abholen kam – egal was ich tat, es war alles wirkungslos. Wegen seinen ständigen Misserfolgen hatte der Bub verständlicherweise ein grosses Misstrauen gegenüber Erwachsenen aufgebaut, vor allem wenn sie etwas Schulisches von ihm wollten. Mir wurde klar, dass ich in den folgenden Stunden fast ausschliesslich an der Beziehungsebene arbeiten musste, wenn ich denn jemals eine Chance bei ihm haben sollte. Seiner Mutter war dies glücklicherweise bewusst, was die Sache natürlich erleichtert hat. Schrittweise erlangte ich sein Vertrauen, bis er realisierte, dass ich ihm nichts „Böses“ und ihn auch nicht blossstellen wollte. Erst nach mehreren Wochen liess er sich auf das Automatisieren des Einmaleins ein. In einer Coachingstunde arbeitete er besonders konzentriert, und als ich sagte, dass die Stunde nun vorüber sei und er nach Hause gehen dürfe, erwiderte er erstaunt:

„Wie? Zeit schon rum? Hab ich nun so lange Mathe geübt…?“

Und da war es, dieses Strahlen in seinen Augen – sehr wahrscheinlich seine erste positive Erfahrung in Bezug auf Mathe, und seine Erkenntnis, dass Lernen nicht zwingend Frust und Zwang bedeuten muss, sondern dass es auch anders geht. Am Ende der Stunde lobte ich ihn natürlich für seinen tollen Einsatz und wie sehr ich mich darüber freue, und er antwortete, dass es ihm heute das erste Mal richtig Spass gemacht hätte, und dies in seinem „Hassfach“. Hätte mir das jemand zu Beginn gesagt, hätte ich kaum daran geglaubt. Dieser Junge ist auch ein „Lehrer“ für mich: Er bringt mir bei, mich noch mehr in Geduld zu üben und mich über die noch so kleinen Fortschritte und Erfolge zu freuen.

 

Mehr über Bettina Dénervaud und ihrer Arbeit erfahren Sie unter: www.schnell-lernen.ch

 

In deiner Grundausbildung bist du (Psychologin / Lehrer/in / Heilpädagogin / Ärztin). Wie bist du auf den Bereich Lerncoaching aufmerksam geworden? Was hat dich dazu bewogen, dich in diesem Bereich weiterzubilden?

In meiner langjährigen Unterrichtstätigkeit bin ich immer mal wieder über Lernschwierigkeiten meiner SchülerInnen gestolpert, deren Ursprung ich mir manchmal nicht wirklich erklären konnte und folglich auch nicht klar erkannt habe, an welchem Punkt man eigentlich ansetzen sollte. Dies hat mich bewogen, mich zum Lerncoach weiterbilden zu lassen.

War bereits zu Beginn der Weiterbildung klar, dass du dich selbständig machen möchtest? Wie kam es dazu?

Da ich bereits seit dem Jahr 2000 mit meiner Sprachschule in Bern-Schönbühl selbständig tätig bin, hat sich diese Frage erübrigt. Zu Beginn der Weiterbildung dachte ich jedoch noch, dass ich das Gelernte vorwiegend beim Sprachunterricht anwenden würde – was ich auch nach wie vor tue – stellte dann aber nach einiger Zeit fest, dass sich mir da fast wie von selbst ein enorm umfangreiches, neues Tätigkeitsfeld eröffnet. Dieses ist immer noch im Aufbau und in Entwicklung, aber ich kann bereits heute sagen, dass ich mittlerweile 2 Standbeine habe: einerseits die bestehende Sprachschule, andrerseits meine stetig wachsende Praxis für Lerncoaching.

Wie hat sich deine Arbeit seither entwickelt?

Erstaunlich kreativ und vielfältig, da im Laufe des letzten Jahres die verschiedensten Anfragen an mich gerichtet wurden. Bei manchen musste ich mir vorerst schon zweimal überlegen, ob ich mich auch wirklich bereit dazu fühlte, wie beispielsweise eine Tagesfortbildung für Lehrkräfte, oder Coachings über eine längere Zeitspanne hinweg zu diversen Themen an einem Gymnasium, um nur einige wenige zu nennen. Die zahlreichen Weiterbildungsanlässe für Eltern, primär in Form von Vorträgen und Workshops/Seminaren, sind mittlerweile auch fester Bestandteil meiner Arbeit. Abschliessend möchte ich dazu sagen, dass mich gerade das Annehmen mancher Herausforderung, wozu ich mich anfänglich etwas überwinden musste, am meisten weitergebracht hat. Ich habe mir die Aussage von Fabian (Grolimund), dass wir genau dann mit der praktischen Arbeit beginnen sollten, wenn wir uns vielleicht noch etwas unsicher fühlen, zu Herzen genommen und habe es nie bereut – im Gegenteil, ich freue mich über all die Herausforderungen, an denen ich lernen und wachsen darf.

Mit welchen Schwierigkeiten kommen die Klienten zu dir?

Das zu beantworten ist nicht leicht, da die Schwierigkeiten resp. Themen, die es zu bearbeiten gilt, etwa so unterschiedlich sind wie die Klienten selbst. Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass bei Jugendlichen oft das Herausschieben vom Stoff, den sie zu lernen haben, eine grosse Problemzone ist, einhergehend mit der praktischen Anwendung von Lernstrategien, was bekanntlich ein gewisses Mass an Disziplin und Selbststrukturierung erfordert, wenn es zum Erfolg führen soll. Auch Prüfungsangst ist ein Bereich, an dem ich mit Jugendlichen und Kindern regelmässig arbeite. Bei jüngeren Kindern schildern mir natürlich vorab deren Eltern, wo aus ihrer Sicht die Schwierigkeiten liegen. Die Bereiche sind vielfältig – das kann mangelnde Motivation und Konzentration sein, das unselbständige Lernen und Hausaufgaben erledigen, was ständig zu Konflikten führt, die falschen Lernstrategien usw. Wenn ich dann das Kind frage, wie es denn aus seiner Sicht aussieht, kriege ich oft ganz andere Antworten zu hören als die Einschätzung der Eltern.

Wie sieht ein typischer Tag in deiner Praxis aus? (Wie sieht dein Angebot aus?)

Da ich kein grosser Fan von Routine bin (obwohl diese zu einem gewissen Grad natürlich auch dazugehört), kann ich keinen typischen Tagesablauf schildern. Ich biete einerseits Einzelcoachings an, um gezielt und vertieft an den jeweiligen Schwierigkeiten der Klienten zu arbeiten, andererseits auch Gruppencoachings nach Themen, wie am Gymnasium Kirchenfeld Bern. Den andern Teil, der sich im Laufe der Zeit ergeben hat und den ich auf keinen Fall missen möchte, sind die Vorträge (organisiert von Schulen und Elternräten), Seminare und Workshops für Eltern und Jugendliche. Ein relativ neuer und herausfordernder Bereich, der nach wie vor im Aufbau ist, sind die Tagesfortbildungen für Lehrpersonen, welche mir auch ausserordentlich Freude machen. Ich bin gespannt, was noch alles an Neuem auf mich zukommen wird.

Wie kann man sich eine Lerncoaching-Stunde vorstellen?

Keine Stunde verläuft wie die andere, deshalb hier ein Beispiel von einer Beratung, welche kürzlich stattgefunden hat: M., 4. Klasse, wurde von ihrer Mutter zum Lerncoaching begleitet. Diese erläuterte anfänglich, was alles nicht gut läuft und was aus ihrer Sicht verändert werden sollte, natürlich in möglichst kurzer Frist. M. sagte nicht viel, aber es war ihr deutlich anzumerken, dass sie unter der Erwartungshaltung der Mutter litt. Mit viel Fingerspitzengefühl galt es dann, vorerst mal Druck aus der aktuellen Situation herauszunehmen. Ich stelle öfters fest, dass manche Eltern fast erleichtert reagieren, wenn sie ihre Erwartungen vorerst mal herunterschrauben dürfen/müssen. In diesem Fall war es jedenfalls so, und mittels Problem- und Zielanalyse konnten wir schliesslich Ziele definieren, die realistisch waren und dem Kind entsprachen. So kam während der nächsten Sitzungen auch schrittweise die Motivation von M. zurück, ihr Fokus öffnete sich und sie merkte anhand von ihren neugewonnenen Erfolgserlebnissen und dem Lob ihrer Lehrperson, dass sie sehr wohl etwas bewirken kann, wenn sie beispielsweise die richtige Lernstrategie anwendet. Während der Coachingstunde üben wir solche Dinge ganz konkret und erstellen auch gemeinsam einen Uebungsplan für zu Hause. Bei jüngeren Kindern, die in der Regel von einem Elternteil abgeholt werden, erläutere ich Ende der Stunde kurz, woran gearbeitet wurde und wie es nun zu Hause weitergehen sollte. Eltern von älteren Kindern und Jugendlichen informiere ich regelmässig per Mail oder Telefon.

Was gefällt dir an deiner Arbeit?

Allem voran die Vielseitigkeit, dass kein Fall wie der andere ist. Dann natürlich die Beziehung zu den Klienten und deren „Aha-Erlebnisse“, worüber ich mich jeweils ebenso freue wie die Klienten selbst.

Wie definierst du deine Rolle als Lerncoach?

Lerncoaching hat nichts mit Nachhilfe zu tun und ist grundsätzlich lernstoffunabhängig. Es geht mir darum, den Klienten möglichst optimal in einem geeigneten Lern- und Beratungssetting zu begleiten, so dass sich seine persönliche Lernkompetenz entwickeln und entfalten kann. Dies kann meines Erachtens aber nur funktionieren, wenn dem Klienten ehrliches Verständnis und Empathie entgegengebracht wird – denn nur wenn er Vertrauen in mich fasst und die Beziehungsebene tragfähig ist, kann der Klient seine Ressourcen aktivieren.

Welches Erlebnis in deiner Arbeit hat dich besonders berührt?

Da ist dieser Junge T., 5. Klasse, der sich äusserst schwer mit Mathematik tut. Ich hatte vor, eine Lückenanalyse zu machen um herauszufinden, wo wir ansetzen müssen. Diese war jedoch unmöglich durchzuführen, denn kaum kam eine Aufgabe die er nicht lösen konnte, legte er seinen Kopf auf den Tisch, verschränkte seine Arme drumherum und war aus dieser Position nicht mehr wegzukriegen. Einmal verharrte er so, bis ihn seine Mutter abholen kam – egal was ich tat, es war alles wirkungslos. Wegen seinen ständigen Misserfolgen hatte T. verständlicherweise ein grosses Misstrauen gegenüber Erwachsenen, vor allem wenn sie etwas Schulisches von ihm wollten, aufgebaut. Mir wurde klar, dass ich in den folgenden Stunden fast ausschliesslich an der Beziehungsebene arbeiten musste, wenn ich denn jemals eine Chance bei ihm haben sollte. Seiner Mutter war dies glücklicherweise bewusst, was die Sache natürlich erleichtert hat. Schrittweise erlangte ich sein Vertrauen, bis er realisierte, dass ich ihm nichts „Böses“ und ihn auch nicht blossstellen wollte. Erst nach mehreren Wochen liess er sich auf das Automatisieren des Einmaleins ein. In einer Coachingstunde arbeitete er besonders konzentriert, und als ich sagte, dass die Stunde nun vorüber sei und er nach Hause gehen dürfe, erwiderte er erstaunt: „Wie? Zeit schon rum? Hab ich nun so lange Mathe geübt…?“ Und da war es, dieses Strahlen in seinen Augen – sehrwahrscheinlich seine erste positive Erfahrung in Bezug auf Mathe, und seine Erkenntnis, dass Lernen nicht zwingend Frust und Zwang bedeuten muss, sondern dass es auch anders geht. Am Ende der Stunde lobte ich ihn natürlich für seinen tollen Einsatz und wie sehr ich mich darüber freue, und er antwortete, dass es ihm heute das erste Mal richtig Spass gemacht hätte, und dies erst noch in seinem „Hassfach“. Hätte mir dies jemand zu Beginn gesagt, hätte ich kaum daran geglaubt, dass ich eines Tages eine solche Aussage aus seinem Mund zu hören kriegen würde. Dieser Junge ist auch ein „Lehrer“ für mich: T. lehrt mich, mich noch mehr in Geduld zu üben und mich über die noch so kleinen Fortschritte und Erfolge zu freuen.

Wie hast du es geschafft, als Lerncoach Fuß zu fassen?

Welche Stolpersteine / Herausforderungen sind dir begegnet, als du dich selbstständig gemacht hast?

Wie hast du dir die Arbeit als Selbstständige/r vorgestellt? Welche Erwartungen wurden erfüllt, was ist anders als erwartet?

Was hat dir die Weiterbildung gegeben / Was ist das Besondere daran? Was hast du mitgenommen? Inwiefern hat sie deine Arbeit geprägt?

Durch die Weiterbildung zum Lerncoach hat sich mir ein äusserst interessantes und vielseitiges Arbeitsfeld eröffnet. Das Besondere an der Weiterbildung ist, dass die vermittelten Inhalte sehr praxisorientiert und direkt umsetzbar sind. Beim Sprachunterricht sehe ich nun viel eher und klarer, wo die Schwierigkeiten liegen und wo es anzusetzen gilt – dies war ja mein ursprünglicher Grund, die Weiterbildung zu absolvieren. Das neue Standbein „Lerncoaching“, das sich daraus ergeben hat mit seinen Betätigungsfeldern wie Vorträgen, Seminaren, Workshops, Gruppen- und Einzelcoachings usw. hat meine Erwartungen bereits jetzt übertroffen und ich freue mich auf alles, was noch kommen mag.